____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Sefrou
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Sefrou (marokkanisches Tamazight â”⎌â”â” Sfáču; arabisch Ű”Ù۱Ù, DMG ĆafrĆ« / SifrĆ«) ist eine etwa 70.000 Einwohner zĂ€hlende Provinzhauptstadt in der Region FĂšs-MeknĂšs im Norden Marokkos an den AuslĂ€ufern des Mittleren Atlas. In der von einer Mauer umgebenen Altstadt lebte bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine der gröĂten jĂŒdischen Minderheiten des Landes. Heute ist der malerische Bergort in der NĂ€he von FĂšs ein beliebtes Ausflugsziel. In der ethnologischen Literatur ist Sefrou durch die Feldforschungen von Clifford Geertz und anderen ein Begriff.
Contents
âą Lage
⹠Bevölkerung
âą Geschichte
âą Stadtbild
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Lage
Sefrou liegt ca. 30 km (Fahrtstrecke) sĂŒdöstlich von FĂšs an einem Berghang der nördlichen AuslĂ€ufer des Mittleren Atlas in einer Höhe von etwa 800 bis 900 m. Die NebenstraĂe R 503 fĂŒhrt weiter nach SĂŒden ĂŒber einen knapp 1800 m hohen Pass in die zentralen Atlasberge nach Boulemane und bis Midelt. Die NationalstraĂe 8 von FĂšs nach SĂŒden ĂŒber Azrou und KhĂ©nifra verlĂ€uft ca. 20 km westlich an der Stadt vorbei. Dazwischen erhebt sich das Kandar-Gebirge mit dem Jbel Abad, von dessen 1768 m hohem Gipfel die bewĂ€sserten Felder der fruchtbaren Tiefebene von Sais und HĂ€user von FĂšs zu sehen sind. kirschfest
Die vom Oued Aggai durchflossene Stadt liegt eingebettet zwischen ObstgĂ€rten am SĂŒdrand der Sais-Ebene am Ăbergang zu den entwaldeten, auf ihren Kuppen vegetationsarmen Atlas-Bergen. An den ortsnahen HĂ€ngen gedeihen hauptsĂ€chlich Kirschen und Erdbeeren. Nach der Kirschenernte im Juni wird deshalb ein dreitĂ€giges Kirschenfest (moussem des cĂ©rises) mit ReiterwettkĂ€mpfen (fantasias) und einem groĂen Markt veranstaltet, das seit 2012 in der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit verzeichnet ist.cite-ref-1[1] In der Umgebung werden ferner OlivenbĂ€ume angepflanzt; nach Westen fĂŒhrt ein 1,5 km langer FuĂweg durch das dicht mit Zedern und LaubbĂ€umen bewachsene Bachtal des Oued Aggai bis zu einem Wasserfall. Ohne eigene Wasserquellen wĂ€re die ökologische Nische von Sefrou so trocken wie die FelshĂŒgel und Plateaus weiter sĂŒdlich; erst mehrere Kilometer sĂŒdöstlich beginnt die natĂŒrliche Waldregion des ForĂȘt de Jabla.
Bevölkerung
| Jahr | 1994 | 2004 | 2014 | 2024 |
|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 54.163 | 64.006 | 79.887 | 86.903 [ 2 ] |
Der GroĂteil der Einwohner ist berberischer Abstammung. Die meisten Juden sind in den Jahren nach der UnabhĂ€ngigkeit Marokkos (1956) nach Israel ausgewandert.
Geschichte
Ein erster Lagerplatz oder eine Siedlung wurde im 7. Jahrhundert in vorislamischer Zeit durch den jĂŒdischen Berberstamm der Ahel Sefrou angelegt, dessen Erinnerung sich im Ortsnamen erhalten hat. Bis zum 9. Jahrhundert werden Juden und Christen im Gebiet Sefrou erwĂ€hnt. Nach der örtlichen, unbestĂ€tigten Legende soll die Stadt Sefrou im 8. Jahrhundert noch vor FĂšs gegrĂŒndet worden sein. Die PlĂ€ne zur Anlage von FĂšs stammen von 789, als Idris I. den Bau einer neuen Hauptstadt fĂŒr die spĂ€tere Idrisiden-Dynastie, die erste arabische Herrschaftsfolge in Marokko, bekanntgab. Idris I. hatte die jĂŒdischen und christlichen StĂ€mme der Gegend unterworfen, aber erst sein Nachfolger Idris II. wird als tatsĂ€chlicher GrĂŒnder des unabhĂ€ngigen Idrisiden-Staates betrachtet, der seinen Amtssitz im Jahr 809 von Oualila (Volubilis) nach FĂšs verlagerte und dieses zur Hauptstadt ausbauen lieĂ.cite-ref-3[3] Auf ihn geht die Islamisierung der Region zurĂŒck. Auch Sefrou wurde wahrscheinlich zur selben Zeit eine Stadt. Unter Muhammad ibn Idris (reg. 828â836) kam es zum Streit um die Herrschaft und zur Zersplitterung des Reiches. Dessen Sohn Ali ibn Idris ibn Idris (reg. 836â848) benutzte Sefrou als Basis fĂŒr einen Angriff auf FĂšs.
Im 11. Jahrhundert war Sefrou eine ummauerte Stadt mit einer gewissen Bedeutung. WĂ€hrend des 13. Jahrhunderts zogen jĂŒdische Einwanderer aus dem Tafilalet her. GemÀà der lokalen Tradition gab es im 15. Jahrhundert zur Merinidenzeit ein spezielles jĂŒdisches Viertel (Mellah) innerhalb der Altstadt. Eine definierte Mellah setzt voraus, dass es fĂŒr Juden ein Verbot gab, sich auĂerhalb anzusiedeln. Sollte die Mellah unter Abdalhaqq II. (reg. 1421â1465) eingefĂŒhrt worden sein, so wĂ€re dies etwa zeitgleich mit deren Einrichtung 1438 in FĂšs geschehen. Die dortige Mellah gilt als das Ă€lteste Judenviertel Marokkos.cite-ref-4[4]
Sefrou entwickelte sich als ummauerte Stadt mit bestimmten Vierteln fĂŒr MĂ€rkte (Suqs), Mellah, einem muslimischen Wohnviertel (Medina), einer Festung (Kasbah) und einem auĂerhalb gelegenen Markt. Die Kasbah wurde vom Alawiden-Sultan Mulai Ismail (reg. 1672â1727) erbaut, der die Ostgrenze seines Reiches von Unruhen und AufstĂ€nden der Berber bedroht sah. Er unternahm mehrfach MilitĂ€rexpeditionen gegen die AufstĂ€ndischen und um seine Sultansmacht dauerhaft zu sichern, lieĂ er in den 1680er Jahren eine Reihe von Festungen von Taza im Nordosten am Rand der Atlasberge ĂŒber Sefrou, Azrou, Kasba Tadla bis nach Beni Mellal errichten. Mulai Ismail hatte spezielle Truppen aus schwarzafrikanischen Sklaven zur Bewachung der Kasbahs und kleinerer Festungsanlagen aufgestellt.cite-ref-5[5] Der Wohlstand Sefrous rĂŒhrte zumindest teilweise vom Handel mit Karawanen her, die ĂŒber Tafilet am Rand der Sahara nach Norden zogen. Als die Karawanen im 19. Jahrhundert ihre Route nach FĂšs weiter nach Osten verlagerten, kamen sie nicht mehr durch Sefrou und der Ort verlor einiges seiner Wirtschaftskraft.cite-ref-6[6]
Die Zahl der jĂŒdischen Einwohner war im 17. und 18. Jahrhundert geringer als in FĂšs oder MeknĂšs, dennoch war Sefrou ein Zentrum jĂŒdischer Bildung. Dies war besonders dem Rechtsgelehrten Rabbiner Moses bin Hamo zu verdanken, der Ende des 17. Jahrhunderts eine Religionsschule betrieb. Aus seiner Korrespondenz geht hervor, dass er vormittags den Studenten den Hulin-Traktat aus dem Talmud gelehrt und am Nachmittag einen Kurs fĂŒr ĂŒber 20 fortgeschrittene Studenten gegeben habe. Unter seinen SchĂŒlern befanden sich einige, die spĂ€ter im 18. Jahrhundert als spirituelle FĂŒhrer anerkannt waren.cite-ref-7[7] Zwischen 1780 und 1830 wanderten 50cite-ref-8[8] Juden aus Sefrou nach PalĂ€stina aus.
Um 1910 lebten in Sefrou etwa 6000 Einwohner, davon waren 60 % Juden undcite-ref-0-9-0[9] 40 % Muslime.cite-ref-0-9-1[9] Mit dem Vertrag vom 30. MĂ€rz 1912, den Sultan Mulai Abd al-Hafiz in FĂšs unterzeichnete, wurde Marokko zum französischen Protektorat und französische Truppen besetzten die Region Meknes-FĂšs. Die Sais-Ebene wurde zu einem Kernland der landwirtschaftlichen Entwicklung wĂ€hrend der Kolonialzeit. In den 1920er Jahren richteten dort französische Bauern von ZĂ€unen umgebene Gehöfte mit UnterkĂŒnften fĂŒr die einheimischen Landarbeiter ein. Bis in die 1950er Jahre nahmen die Investitionen in die Landwirtschaft der Ebene zu, gegenĂŒber den gepflegten GebĂ€uden mit ZiegeldĂ€chern bildeten die armseligen Lehmziegelbehausungen der einheimischen Bevölkerung in den HĂŒgeln um Sefrou einen sozialen Kontrast. Die wirtschaftliche VernachlĂ€ssigung des Hinterlands um Sefrou wĂ€hrend der Kolonialzeit fĂŒhrte zu einer Zuwanderungsbewegung in die Stadt.
GemÀà der allgemeinen französischen Kolonialpolitik wurde eine europĂ€ische Ville Nouvelle getrennt von der Altstadt geplant. Dennoch kam der Anteil der Franzosen in Sefrou nicht ĂŒber 1 % der Bewohner hinaus.cite-ref-10[10]
Im Jahr 1950 trat der normalerweise als kleiner Bach quer durch die Stadt flieĂende Oued Aggai in einer Springflut ĂŒber die Ufer. 30 Menschen kamen ums Leben und groĂe SchĂ€den entstanden an den GebĂ€uden. Daraufhin wurde das Bachbett mehrere Meter tief ausgegraben, wobei der alte Waschplatz der jĂŒdischen Frauen verschwand.
Die französische Neustadt erstreckt sich sĂŒdwestlich der Altstadt an den HĂ€ngen, die ursprĂŒnglich bewĂ€sserte GĂ€rten waren. Die dortige Bevölkerung bestand in den 1960er Jahren zur HĂ€lfte aus einer begĂŒterten marokkanischen Schicht aus ehemaligen LandeigentĂŒmern, die mit ihren Familien aus der Altstadt nach drauĂen umgezogen waren, und europĂ€isch orientierten Stadtbewohnern. Die andere HĂ€lfte gehörte zur unteren Klasse.cite-ref-11[11] Bis spĂ€testens 1970 hatten die meisten Juden die Stadt aus politischen GrĂŒnden verlassen, die wenigen Verbliebenen sind in neue Stadtteile umgezogen.
Sefrou ist eine der sozialwissenschaftlich am besten untersuchten StĂ€dte Marokkos. Zwischen 1965 und 1971 hielten sich der US-amerikanische Ethnologe Clifford Geertz, seine Frau Hildred Geertz und einige seiner SchĂŒler lĂ€ngere Zeit in Sefrou auf, um Feldforschungen in der Stadt und ihrer Umgebung zu betreiben. Die kompakte, traditionell strukturierte Altstadt â fĂŒr Geertz âein kleines Fesâcite-ref-12[12] â eignete sich wegen der zahlreichen Sufi-Bruderschaften (TarÄ«qas) besonders fĂŒr das Studium einer islamischen Gesellschaft. Zu seinen jĂŒngeren Kollegen gehörte Paul Rabinow, der 1968â1969 im nahegelegenen Dorf Sidi Lahcen Lyusi die Sufi-Bruderschaft des gleichnamigen Heiligen aus dem 17. Jahrhundert untersuchte. Dale F. Eickelmann, dessen Dissertation auf einer Feldforschung 1968â1970 in Boujad beruht, stand mit Geertz ebenfalls in Beziehung. Geertz kam bis 1986 immer wieder fĂŒr unterschiedlich lange Arbeitsaufenthalte nach Sefrou zurĂŒck, ein letztes Mal war er im Mai 2000 anlĂ€sslich einer Konferenz in der Stadt.
Zwischen 1960 und 1986 war eine rasante Bevölkerungsverschiebung vom Land in die Stadt zu beobachten. Sefrou ist mit einer FlĂ€che von 10 Quadratkilometern die einzige Stadt im rund 2000 Quadratkilometer groĂen Distrikt. Das VerhĂ€ltnis von stĂ€dtischer zu lĂ€ndlicher Bevölkerung Ă€nderte sich von eins zu vier 1960 bis auf eins zu eins 1986. Es ergab sich eine in Alteingesessene und Zugezogene aufgespaltene Bevölkerung; beide sind mit ihrem Schicksal unzufrieden.cite-ref-13[13] Im September 2007 kam es in Sefrou zu einem sogenannten âBrotaufstandâ. Die Unruhen begannen, als eine Frauenorganisation zur Demonstration gegen die gestiegenen Lebensmittelpreise aufrief, und arteten schnell in gewaltsame Proteste aus, nachdem in groĂer Zahl PolizeikrĂ€fte des Provinzgouverneurs erschienen waren. Diese wurden fotografisch und mit Videokameras dokumentiert und in YouTube veröffentlicht.cite-ref-14[14]
Stadtbild
Die von einer ovalen Stadtmauer vollstĂ€ndig umgebene Altstadt wird in ihrer LĂ€ngsausdehnung von West nach Ost in der Mitte vom Oued Aggai durchflossen. Der Bach teilt die Altstadt in die beiden etwa gleich groĂen Wohngebiete der muslimischen Medina im Norden und der jĂŒdischen Mellah im SĂŒden. Besonders die Gassen in der Mellah sind relativ gerade, aber sehr schmal, so dass eine Orientierung schwierig ist. Die HauptzugĂ€nge sind das Bab el-Maqam im Norden und das Bab Merba im SĂŒden, in dessen NĂ€he auĂerhalb der Stadtmauer die heute geschlossene Synagoge liegt. FĂŒnf Moscheen verteilen sich innerhalb der Mauer. Der bekannteste Sufi-Pilgerort ist in der Mellah die Zawiya des Sidi Lahcen ben Ahmed, eines Heiligen aus dem 17. Jahrhundert. Sein Mausoleum (Qubba) ist das gröĂte in den Bergen der Region, jedes Jahr im August wird ein Pilgerfest (Moussem) veranstaltet. Mitglieder dieser Bruderschaft neigen dazu, die Aissaouas in der Stadt zu meiden.cite-ref-15[15] Deren islamischer Volksglauben beinhaltet Heilungsrituale und Schlangenbeschwörungen.
Busbahnhof und Taxistand befinden sich auf dem groĂen Platz Moulay Hassan nordwestlich der Altstadt an der AusfallstraĂe nach FĂšs. Die französische Neustadt erstreckt sich jenseits des Boulevard Mohammed V als weitlĂ€ufige ruhige Gartenstadt nach SĂŒdwesten den HĂŒgel hinauf; die gesamte heutige Stadterweiterung im Norden und Osten bedeckt ein Vielfaches der ummauerten Altstadt. Markttag ist donnerstags, an den ĂŒbrigen Wochentagen wirkt Sefrou wenig geschĂ€ftig.
Dem Bach nach Westen folgend fĂŒhrt eine kurvige StraĂe nach einem halben Kilometer an al-Qala (Ksar el Kelaa) vorbei, einem befestigten Dorf mit heute verarmten Einwohnern, und weiter zum bereits erwĂ€hnten Wasserfall. Zwei Kilometer auĂerhalb liegt das Heiligtum des Marabouts Sidi Bou Ali Serghin, dort in der NĂ€he die Quelle der weiblichen Heiligen Lalla Rekia, der frĂŒher Tiere geopfert wurden, damit sie Geisteskrankheiten kurieren möge.
Ein anderer Weg fĂŒhrt von der Stadt nach einigen Kilometern zum frĂŒher bedeutenden jĂŒdischen Wallfahrtsort Kef el Yehudi (âJudenhöhleâ), an dem Juden das Grab des Heiligen Daniel oder von vier Kwahnas (heiligen jĂŒdischen Berbern) verehrten. FĂŒr Muslime lag hier die Höhle fĂŒr die sieben GefĂ€hrten, die aus der SiebenschlĂ€ferlegende bekannt sind.cite-ref-16[16] Die sieben jungen MĂ€nner schliefen sehr lange, und als sie aufwachten, wollten sie in Sefrou Brot kaufen. Da ihr Geld nicht mehr akzeptiert wurde â es war zwischenzeitlich veraltet â gingen sie wieder schlafen, was sie bis heute tun. AnhĂ€nger beider Religionen opferten frĂŒher Kerzen und RĂ€ucherstĂ€bchen.cite-ref-17[17]
Siehe auch
Literatur
âą Clifford Geertz: Spurenlesen: Der Ethnologe und das Entgleiten der Fakten. [StĂ€dtevergleich Sefrou in Marokko und Pare in Indonesien ĂŒber vier Jahrzehnte]. C.H.Beck, MĂŒnchen 1997. ISBN 978-3-406-41902-7
âą Clifford Geertz, Hildred Geertz, Lawrence Rosen: Meaning and Order in Moroccan Society: Three Essays in Cultural Analysis. Cambridge University Press, Cambridge 1979
âą Ingeborg Lehmann, Rita Henss: Marokko. Karl Baedeker, Ostfildern 2009, S. 271f, ISBN 978-3-8297-1156-2
⹠Paul Rabinow: Reflections on Fieldwork in Morocco. University of California Press, Berkeley/Los Angeles/London 1977 (eingeschrÀnkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
âą Norman A. Stillman: The language and culture of the Jews of Sefrou, Morocco: an ethnolinguistic study. University of Manchester, Manchester 1988
Weblinks
Commons
: Sefrou
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⹠Website der Stadt (französisch)
âą Sefrou. The unspoiled city. LookLex
âą Sefrou, Morocco Observed: The Photographs of Paul Hyman. Fotos von Paul Hyman, 1969 auf Einladung von Paul Rabinow in Sefrou aufgenommen. 64 dieser Fotos sind in Geertz, 1979, abgebildet
Einzelnachweise
cite-note-11. â Cherry festival in Sefrou. UNESCO Intangible Cultural Heritage, 2012.
cite-note-21. Sefrou â Karte + Fakten
cite-note-33. â Jamil M. Abun-Nasr: A history of the Maghrib in the Islamic period. Cambridge University Press, Cambridge 1987, S. 51.
cite-note-44. â Jane S. Gerber: Jewish Society in Fez. 1450â1700. Studies in Communal and Economic Life (= Studies in Judaism in Modern Times. Band 6). E. J. Brill, Leiden 1980, S. 10, 19 (englisch).
cite-note-55. â Jamil M. Abun-Nasr, S. 231
cite-note-66. â Thomas K. Park, Aomar Boum: Sefrou. In: Historical Dictionary of Morocco. Library of Congress. 2. Aufl., Scarecrow Press, Lanham 2006, S. 318.
cite-note-77. â Saul I. Aranov: A descriptive catalogue of the Bension collection of Sephardic manuscripts and texts. University of Alberta Press, Edmonton 1979, S. 22.
cite-note-88. â Shalom Bar Asher: The Jews of North Africa and the Land of Israel in the Eighteenth and Nineteenth Centuries: The Reversal in Attitude toward 'Aliyah' (Immigration to the Land) from 1770 to 1860. In: Lawrence A. Hoffman (Hrsg.): The Land of Israel: Jewish Perspectives (= Studies of Judaism and Christianity in Antiquity. Nr. 6). University of Notre Dame Press, Notre Dame (Indiana) 1986, ISBN 0-268-01280-6, Kap. 12, S. 297â315, hier S. 298 (englisch).
cite-note-0-99. â Georges Bensoussan: Juifs en pays arabes â Le grand dĂ©racinement, 1850â1975. In: Denis Maraval (Hrsg.): Collection Texto. 2. Auflage. Ăditions Tallandier, Paris 2021, ISBN 979-1-02105090-7, S. 83 (französisch).
cite-note-1010. â Rabinow, S. 8â10
cite-note-1111. â Rabinow, S. 22
cite-note-1212. â Geertz 1997, S. 23
cite-note-1313. â Geertz 1997, S. 25
cite-note-1414. â Sefrou la ville du danger 23/09/2007. Youtube-Video ĂŒber die Unruhen im September 2007
cite-note-1515. â Rabinow, S. 52, 131
cite-note-1616. â Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam â Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2009, S. 189 f.
cite-note-1717. â Edward Westermarck: Ritual and Belief in Morocco. Bd. 1, Macmillan and Co., London 1926, S. 72.